Unsere (digitalen) Erkenntnisse aus Meran

Unsere (digitalen) Erkenntnisse aus Meran

Ergänzend zum letzten Blogpost, in dem wir von unseren Eindrücken vom Barcamp in Meran berichtet haben, möchten wir Ihnen heute noch etwas genauer von unseren – vorwiegend – digitalen Erkenntnissen berichten und hoffen, Sie damit etwas inspirieren zu können.

 

1. Virtual Reality und Augmented Reality

Die virtuelle Realität ist eine Technologie, die eine ganz neue und überwältigende digitale Erfahrung mit sich bringt. In dieser „digitalen Welt“ ist alles, was man sieht, hört und berührt, eben virtuell. Diese Erfahrung ist mit Tauchen vergleichbar – wie im Schwimmbad tauchen Sie in die virtuelle Welt ein und haben das Gefühl, sich tatsächlich gerade in dieser (Um)Welt aufzuhalten.

Viele Branchen bedienen sich bereits stark an den VR-Technologien – etwa die Automobilindustrie, Unterhaltungsindustrie, Architekturbüros aber auch Schulungseinrichtung, um nur ein paar zu nennen. In der Tourismusbranche hat diese Technologie in den letzten Jahren ebenfalls immer mehr Anklang gefunden. Experten vermuten, dass es in einigen Jahren möglich sein wird, sich im Hotel oder auf dem Kreuzfahrtschiff mittels neuer Technologien zuerst umzusehen, bevor gebucht wird. In Köln ist es bereits möglich, virtuell in die Vergangenheit der Stadt zu reisen, um einen Stadtrundgang zu machen, während man real in der Straßenbahn sitzt. Gäste werden sich im Hotel VR-Brillen ausleihen, um auch im Urlaub auf gute Unterhaltung nicht verzichten zu müssen. Bereits einen Schritt weiter geht das Leading Holiday Hotel und Resort Dachsteinkönig – hier hat im Jänner 2019 der erste VR-Room für Hotelgäste eröffnet. Virtual Reality vermittelt hautnah Emotionen. Ohne (geografischen) Grenzen.

VR wird in den nächsten Jahren einen weiteren Aufschwung erleben und ist somit in der touristischen Zukunft kaum mehr wegzudenken. Auch in Meran ist dieses Thema auf großes Interesse – und beim Ausprobieren der VR-Brille – auch auf großes (Er)Staunen gestoßen. Und tatsächlich ist es wirklich bemerkenswert, dass inzwischen ganze Landschaften, Objekte und Gebäude “gescannt” und danach für eine echte und interaktive Erfahrung via Virtual Reality umgewandelt werden.

Sie haben neben Virtual Reality bestimmt auch schon mal von Augmented Reality (kurz AR; “augmented” = “erweitert”) gehört. Der Unterschied besteht darin, dass man bei AR mithilfe von digitalen Elementen die tatsächliche Realität lediglich erweitert, während man bei VR komplett in eine andere Welt eintaucht. Bei AR können es Geräte wie ein Tablet oder ein Smartphone sein, die eine Erweiterung darstellen. Das wohl bekannteste Beispiel dafür ist das Spiel “Pokémon Go”.

Google hat auf der diesjährigen Entwicklerkonferenz I/O 2019 das Augmented-Reality-Feature präsentiert. Dieses Feature verbindet Daten aus Google Street View und Maps mit Live-Bildern der Smartphone-Kamera, über die Navigationsinformationen gelegt werden. Es werden also Realbilder mit digitalen Richtungsweisern kombiniert. Gebäude oder markante Stellen werden samt Richtungsangaben in der Software angezeigt, damit kann es nicht mehr passieren, dass man in die falsche Richtung losgeht oder sich verirrt. Der Probelauf soll bald starten.

So soll die Navigation der Zukunft aussehen. (Quelle: Google Keynote I/O'19)
So soll die Navigation der Zukunft aussehen. (Quelle: Google Keynote I/O’19)

 

2. Open Data

Daten, Daten, Daten, überall wo man hinhört. Und tatsächlich waren diese nicht nur beim Barcamp in Meran das Thema, sondern auch auf sämtlichen Events, an denen wir in den letzten Wochen und Monaten teilgenommen hatten. Das Thema wird uns alle noch sehr beschäftigen. Und andere machen’s bereits vor. In Südtirol arbeiten unter dem Projektnamen “Alpinebits” mehrere namhafte Unternehmen gemeinsam an einer Datenschnittstelle.

Sie haben es sich zum Ziel gesetzt, einen freien Schnittstellenstandard für den Austausch touristischer Daten in Südtirol zu erstellen, weiterzuentwickeln und zu verbreiten. Es soll künftig möglich sein, mit einer internetbasierten Software, eben dieser einen Schnittstelle, Hotelverwaltungsprogramme, Channelmanager und Buchungsplattformen miteinander zu verbinden, damit diese Programme Daten miteinander austauschen können.

Der deutsche ADAC arbeitet aktuell an einem großen Projekt namens “ADAC Destination Data”. Die Vision des ADAC ist es, dem Reisenden ab der Buchung bis hin zu seiner Rückkehr nachhause alle Daten, die er vor, auf und während seiner Reise benötigt, in einer App zur Verfügung zu stellen. Der Reisende soll alle Informationen von Buchungsplattformen, über die komplette Infrastruktur auf seinem Weg, von Services und Dienstleistungen vor Ort etc. aus einer App konsumieren können. Dadurch soll die gesamte “Customer Journey” erleichtert werden.

Und auch Urlaubsregionen in Deutschland aber auch innerhalb von Österreich arbeiten selbst intensiv an einem Datenstandard. Ziel müsste es in unseren Augen aber sein, schlussendlich zu einer Lösung mit einem gemeinsamen Datenstandard zu kommen, damit dieser langfristig für alle Beteiligten den größten Mehrwert generiert. Auch über Länder- oder Regionengrenzen hinaus.

Die Relevanz von Daten wird in den nächsten Jahr erneut steigen. (Foto: Unsplash)
Die Relevanz von Daten wird in den nächsten Jahr erneut steigen. (Foto: Unsplash)

 

3. Digitalisierung in der Hotellerie: Win Win für Gast und MitarbeiterInnen

Auch in einer Session, in der es um Gästezufriedenheit und Reklamationen ging, spielte das Thema “Digitalisierung im Tourismus” eine Rolle. Es fällt auf, dass Mitarbeiter die digitalen Tools gar nicht mehr als negativ betrachten, sondern den Nutzen, den sie im täglichen Gebrauch stiften können, erkennen.

Betrachten wir diesen Fall an einem konkreten Beispiel, wie es auch in dieser Session besprochen wurde. Eine Rezeptionistin hat uns erzählt, dass sie sich gerne sehr viel Zeit für ihre Gäste nehmen möchte. Doch das ist leider nicht immer möglich. Das Telefon klingelt, weitere Gäste warten bereits. Der Hausmeister benötigt auch noch eine Auskunft. Und und und. Es gibt einige Tools, die hier Unterstützung leisten.

Viele Gäste wünschen sich ihren Aufenthalt von Anfang bis Ende individuell planen zu können und ohne Unterbrechungen zu genießen. Digitale Tools bieten eine Möglichkeit, Zusatzleistungen wie Spabehandlungen erst vor Ort buchen zu können – und entlasten so gleichzeitig die Mitarbeiter im Betrieb. Eine App oder ein Leih-Tablet während des Aufenthalts können Auskunft über freie Termine geben, damit der Gast sich diese Leistungen bequem vom Zimmer aus buchen kann, ohne an die Rezeption zu müssen. Das Hotel hat hier ebenfalls die Möglichkeit, kurzfristig ausgefallene Termine wieder zur Verfügung zu stellen und schnell mit einem anderen Gast wieder zu füllen.

Neben Hotelapps und Tablets als Informationstool vor Ort empfiehlt es sich ebenfalls, den Gast bereits vor seiner Anreise mit den relevantesten Informationen auf der Website zu informieren. Denn wenn der Gast selbstständig über die Hotel-Website oder eine App alle Informationen erhält, die er sucht, werden Anrufe oder Emails weniger. Und damit werden die Mitarbeiter entlastet bzw. können sich komplexen Anfragen konzentrieren.

Es gibt Chatbots, die dem potenziellen Gast bereits auf der Website einfache und wiederkehrende Fragen selbst beantworten kann, wodurch sich ein Anruf im Hotel oft von selbst erledigt. Zu diesem Thema haben wir in den nächsten Wochen einen gesonderten Beitrag geplant.

In einem Podcast (den Link stellen wir Ihnen am Schluss dieses Beitrags unter “Empfehlungen” zur Verfügung) hat eine Hotelkette den Check-In-Prozess in deren Unterkünften sozusagen schon etwas revolutioniert. Aber hören Sie am besten selbst!

Die Möglichkeiten der Digitalisierung können eine Win-Win-Situation für beide Seiten herstellen. Und so soll Digitalisierung in der Tourismusbranche funktionieren.

Im Spa sind wir für Digital Detox, aber mit den richtigen Tools lassen sich die Behandlungen und auch andere Services vorab super planen - auf beiden Seiten. (Foto: Unsplash)
Im Spa sind wir für Digital Detox, aber mit den richtigen Tools lassen sich die Behandlungen und auch andere Services super planen – auf beiden Seiten. (Foto: Unsplash)

 

4. Kräfte bündeln, um gut gerüstet zu sein

Wir stehen vor einigen Herausforderungen. Es wird immer wichtiger sein, diese zu erkennen, gemeinsam anzugehen und gut zu meistern. Wir müssen Synergien zu bilden und unsere Kräfte bündeln. Denn nur wenn wir alle gemeinsam die Möglichkeiten der Digitalisierung erkennen, diese umsetzen und für uns nutzen lernen, wird es uns möglich sein, im internationalen Wettbewerb mithalten zu können. Booking, Google und Co. warten nicht und geben weiter das Tempo vor, andere große Player rücken nach. Aber auch der Gast verändert sich. Viele Reisende holen sich ihre Inspiration für den nächsten Urlaub aus den Social Media-Kanälen, allen voran Instagram, und gehen dafür nicht mehr ins Reisebüro. Werden sich auch die Stammgäste bzw. deren Buchungsverhalten, ihre Reiseziele in den nächsten Jahren ändern? Vermutlich ja. Wir müssen gemeinsam gut gerüstet sein!

5. Was Sie zu diesen Themen noch interessieren könnte

Wir empfehlen Ihnen an dieser Stelle noch etwas Lesestoff und eine äußerst hörenswerte Podcast-Folge auf Soundcloud – unbedingt anhören!

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